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Ein Prolog

Ich lernte Programmieren. Vor 45 Jahren. Mich faszinierte der Anspruch, exakt und klar denken zu müssen. Alle Überlegungen folgten einem Prinzip: ENTWEDER – ODER. Wann immer ich programmierte, etwa eine Formel, und es mich zu einer Entscheidung drängte, hieß es: ENTWEDER es ist SO, dann passiert folgendes. ODER es ist SO, dann passiert das andere. Es gab nur das ENTWEDER – ODER-Prinzip. Ich musste nach ihm entscheiden.

Heute triumphiert die Digitalisierung. Wir halten sie täglich in der Hand, sehen ihr am Bildschirm in die Augen; werden von ihr gelenkt und geschoben und versuchen ihren Empfehlungen und Hinweisen zu folgen oder zu entkommen – entweder, oder, wie auch immer. Apps, Algorithmen, Soziale Netzwerke, Suchmaschinen, Postings, Passwörter. Es gibt nur 0 oder 1. Im binären System, das dem zugrunde liegt; kein Dazwischen, keine Übergänge, keine Zwischentöne, kein Vielleicht.

Genau da sind wir jetzt. Genau das haben wir geschaffen:
0 oder 1.
So sieht unser Umgang miteinander aus. Es gibt RICHTIG oder FALSCH, WEISS oder SCHWARZ, DAFÜR oder DAGEGEN. Strikt JA oder strikt NEIN. Es gibt kein „naja“, kein „Wie wäre es denn, wenn“, kein „Nehmen wir doch was von dem und von dem“, kein „Wie wäre es, wenn ich dieses und jenes gemeinsam denke“ und auch kein „So eindeutig ist das vielleicht gar nicht“. Gibt es nicht. Es gibt nur mehr 0 oder 1. So sehen unsere Diskussionen aus, unsere Wahlmöglichkeiten, unsere Positionen, unsere Zugänge.

Das stimmt mich traurig, macht mich hilflos, drängt mich in die EINE (0) oder die ANDERE (1) Position.
Das will ich nicht!
Deshalb rufe ich auf zur Rückeroberung der Zwischenräume. Zum Wiederauffinden der Übergänge. Zum Wiederbehaupten der Zwischentöne.
0 und 1 definieren keinen Raum. Die Räume, in denen ich leben möchte, sind dazwischen. Zwischen 0 und 1.
0 zwischen 1.

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